Bei Behandlungsfehlern wenig Hilfe von GKV

Behandlungsfehler beim Arzt oder im Krankenhaus kommen immer mal vor, doch Hilfe sollte man nicht erwarten.

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Wenn gesetzlich Krankenversicherte von einem Behandlungsfehler betroffen sind, haben sie keine große Unterstützung von ihrer Krankenkasse erwarten.

Aufklärung über Patientenrechte

Wer sich ratsuchend an seine Kasse wendet, wird zwar über seine Rechte als Patient aufgeklärt, wenn es aber darum geht, einen Verdachtsfall zu prüfen und Ansprüche bei begründeten medizinischen Fehlern gegenüber Ärzten, Versicherungen und Gerichten durchzusetzen, hat man von gesetzlichen Krankenkassen wenig zu erwarten. Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW erklärt, mit Blick auf die Selbstauskunft von 50 Krankenkassen zu ihrem Umgang mit Behandlungsfehlern: „Die gesetzlichen Kassen bieten zu wenig Hilfe.“

Geschätzte 170.000 Behandlungsfehler

Das Patientenrechtegesetz verpflichtet die GKVen seit 2013, Versicherte bei einem geäußerten Verdacht auf einen Behandlungsfehler ­– und davon gibt es geschätzte 170.000 jährlich – nicht nur mit Infos zu versorgen, sondern sie auch beim Durchsetzen von Schadensersatzansprüchen stärker zu unterstützen. Dies gilt allerdings nur, wenn es sich bei dem medizinischen Schaden um eine nicht verjährte Kassenleistung handelt.

15 Kassen rufen an

Nun wollte die Verbraucherzentrale NRW von den 72 bundes- wie NRW-weit geöffneten gesetzlichen Krankenkassen wissen, wie sie die rechtlichen Vorgaben für ihre Versicherten umsetzen. 50 von ihnen beteiligten sich an der Umfrage. 46 (92 Prozent) haben demnach ihr Informationsangebot nicht oder nur marginal verändert. Zwei Versicherer informieren ihre Mitglieder schriftlich über ihr Beratungs- und Hilfsangebot bei Behandlungsfehlen. 39 (78 Prozent) verlassen sich auf ihre jeweiligen Internetseiten. Allle außer einer erklärten, dass nachfragende Ratsuchende durch geschultes Fachpersonal informiert würde. 47 Kassen betreuen Ratsuchende sogar über längere Zeit persönlich. Allerdings erklärten zwar 48 der befragten Kassen (96 Prozent) den Ratsuchenden die erforderlichen Schritte, um gegen einen Behandlungsfehler vorzugehen, aber nur 37 sehen auch jedes Mal in die eigenen Akten, um den Verdachtsfall zu prüfen. Nur 35 der Kassen gaben an, dass sie immer ein Gutachten im Verdachtsfall erstellen. Die Ausnahmen bestätigten die Regel: Meist bleiben die Betroffenen mit dem Prüfergebnis der Kassen auf sich selbst gestellt: Nur 15 Krankenkassen wenden sich noch mal telefonisch oder persönlich an ihre Versicherten, um Ergebnis und weiteres Vorgehen zu besprechen.

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