Wer zahlt bei Sturz in Straßenbahn?

Es geht oft schnell. Grade steigt man in die Bahn, sie fährt an, muss wegen eines unachtsamen Fußgängers eine Vollbremsung machen, und schon ist man gefallen. Der Arm tut weh, die Brille ist kaputt. Und dann kommt die Frage: Wer zahlt den ganzen Schaden?

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Es regnete in Strömen. Gott sei Dank, da kam die Bahn. Die ältere Dame war froh und schob sich mit vielen anderen Bahnfahrern gemeinsam in die Strombüchse, die in fast allen Städten zum Alltagsbild gehört. Endlich war sie drin und der Regen draußen. Ruckzuck fuhr die Bahn an. Es gab kein Halten mehr. Da stieg der Fahrer voll in die Eisen. Die ältere Dame fiel und schon war die Misere geschehen. Der Arm schmerzte und der Stock war gebrochen.

Schnell passiert

Na klar, denkt man jetzt. So was passiert. Und wer trägt den Schaden? Generell ist es so, dass der Fahrgast verpflichtet ist, für einen sicheren Stand zu sorgen bzw. sich ausreichend festzuhalten. Tut er das nicht, hat er keinerlei Recht auf einen Schadensersatz geschweige denn auf ein Schmerzensgeld. Das sah im speziellen Fall eines verunfallten Fahrgastes in München der Straßenbahnbetreiber auch so. Allerdings haben die Umstände des Unfalls das Amtsgericht München veranlasst, zu Gunsten des Fahrgastes zu entscheiden.

Schadensersatz muss übernommen werden

Dieser war in die vollbesetzte Bahn eingestiegen. Kurz darauf musste der Bahnfahrer voll abbremsen, da ein Fahrradfahrer seinen Weg unvermittelt kreuzte. Der Fahrgast fiel und verletzte sich am Kopf, der Hand und außerdem wurde seine Brille stark beschädigt. Er verlangte daraufhin Schadensersatz für die Brille und ein Schmerzensgeld für die erlittenen Verletzungen. All das lehnte der Bahnbetreiber ab, woraufhin der Fahrgast klagte. Das Gericht gab dem Passagier Recht. Denn von dem Geschädigten sei nicht zu erwarten gewesen, innerhalb einer so kurzen Zeit einen Halteplatz gefunden zu haben, da mit einer Vollbremsung direkt nach Fahrtbeginn für ihn nicht zu rechnen gewesen sei. Die Kosten für die Brille seien deshalb zu übernehmen. Im Falle des Schmerzensgeldes wurde der zu zahlende Betrag allerdings deutlich reduziert (Amtsgericht München, Az.: 343 C 27 136/08).

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