Verstoß gegen Anschnallpflicht? Versicherungsschutz

In Deutschland herrscht die Anschnallpflicht in Kraftfahrzeugen. Auf den Versicherungsschutz hat das Versäumnis den Sicherheitsgurt anzulegen aber oft keine Auswirkungen. Nicht angeschnallte Opfer tragen meist keine Mitschuld.

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Es ist der 01. August 1984. Jetzt heißt es für viele Autofahrer umdenken. Wir erinnern uns. Bis zu diesem Tag waren wir unser eigener Herr im Fahrzeug. Wir entschieden, ob wir uns durch den Sicherheitsgurt fesseln lassen oder lieber die gesamte Bewegungsfreiheit – ungeachtet aller Risiken – genießen wollten. Damit war im Hochsommer 1984 Schluss. Jetzt hieß es: 40 DM Strafe zahlen, wenn man den Gurt nicht umlegte.

Der Zwang zum Schutz stößt übel auf

Obgleich heute kaum mehr jemand auf den Sicherheitsgurt im Auto verzichtet, der Zwang zum Schutz stößt zumindest den älteren Verkehrsteilnehmern noch immer übel auf. Aber das Strafgeld und die Vernunft gewinnen meist den geistigen Kampf um Freiheit und Eigenverantwortung. Vor allem haben viele Autofahrer Angst davor, dass im Falle eines Unfalls die Versicherung möglicherweise nicht zahlen könnte, wenn man sich nicht angeschnallt hat. Diese Sorge aber ist meist unbegründet. Denn vor allem dann, wenn man den Unfall nicht verursacht hat, besteht für den ungehorsamen Gurtverweigerer keine Mithaftung.

Kein Gurt wegen Übergewicht

So z. B. im Fall einer übergewichtigen Autofahrerin, die in einen schweren Unfall verwickelt wurde. Ein zu schnell fahrender Wagen war innerorts in den entgegenkommenden Wagen gekracht. Zwei der Insassen des entgegenkommenden Fahrzeugs wurden schwer verletzt, der Ehemann der – unangeschnallten – Fahrerin verstarb sogar. Nun wollte die Versicherung des Unfallverursachers die Frau wegen des Verstoßes gegen die Anschnallpflicht zu immerhin einem Drittel der Schadenssumme mit haftbar machen. Diese erklärte, dass durch ihr deutliches Übergewicht Anschnallen für sie mit massiven Schwierigkeiten verbunden sei. Die Sache landete vor Gericht und der Versicherte sah alt aus. Denn ein Sachverständigengutachten konnte nachweisen, dass die Frau auch dann ähnlich schwer verletzt worden wäre, wenn sie der Anschnallpflicht nachgekommen wäre. Die Forderung des gegnerischen Unfallverursachers wurde zurückgewiesen. Einzig und allein der Unfallverursacher wäre verantwortlich, hätte eine schwere Schuld auf sich geladen. Der KFZ-Versicherer musste zahlen.

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