Reiserücktrittsversicherung Arztempfehlung entscheidend

Gericht gibt einer Klägerin recht: Reiserücktrittskostenversicherung muss einspringen, wenn der Arzt empfiehlt, dass eine Reise abgesagt werden sollte. Auch wenn eine Behandlung im Vorfeld schon durchgeführt wurde, die Arztempfehlung ist entscheidend.

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Kalt, nass und unfreundlich: So sieht das deutsche Wetter im Herbst meist aus. Kein Wunder, machen sich jetzt viele, die sich nicht an Schulferien orientieren müssen, auf den Weg in den sonnigen Süden. Klug ist, wer rechtzeitig eine Reiserücktrittskostenversicherung abschließt. Man weiß ja nie, was kommt und die Stornogebühren der Reiseveranstalter sind meist hoch. Wann muss man aber eigentlich eine Reise stornieren?

Schutz vor Stornogebühren

Ein Fall zu diesem Thema ging dieses Jahr in die zweite Instanz. Eine Frau hatte für sich und ihren Lebensgefährten eine Flugpauschalreise gebucht, die im Sommer des Jahres 2008 angetreten werden sollte. Um sich vor Stornogebühren zu schützen, hatte sie eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen. Diese waren bei der gebuchten Reise gestaffelt: Bei einem Rücktritt 30 Tage vor Reiseantritt sollten 20 Prozent des Reisepreises fällig werden, ab dem sechsten Tag vor Reisebeginn wären dann 65 Prozent des Reisepreises zu zahlen. Im Frühjahr des Reisejahres kam es bei dem Lebensgefährten zu Rückenschmerzen. Ein Arzt diagnostizierte ein LWS-Syndrom und begann mit einer klassischen Behandlung mit Medikamenten und Massagen. Zum Glück, wurden die Beschwerden weniger. Leider nicht auf Dauer.

Gewonnen in zweiter Instanz

Vier Tage vor Reiseantritt wurde der Patient erneut untersucht, und aus der Diagnose LWS-Syndrom wurde ein Bandscheibenvorfall, von der Reise wurde ihm zu diesem Zeitpunkt das erste Mal abgeraten. Gut, schade, aber nicht zu ändern. Die Reiserücktrittskostenversicherung sollte nun die Stornogebühren übernehmen. Und prompt überwies diese auch Geld. Allerdings lediglich 20 Prozent des Reispreises, mit der Begründung, dass die Reise schon bei der ersten Behandlung hätte abgesagt werden müssen. Dann wären eben in der Tat auch nur 20 Prozent Stornogebühren fällig gewesen. Die enttäuschten Reisenden sahen das anders und klagten. Und bekamen in zweiter Instanz Recht. Denn, der Patient muss nicht klüger als der behandelnde Arzt sein. Dieser riet aber seinem Patienten erstmal explizit, die Reise anzutreten. Erst, als der Bandscheibenvorfall diagnostiziert wurde, empfiehl er eindringlich den Urlaub abzusagen. Daraus resultierte die Begründung des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main (Az.: 7 U 166/09): „Angesichts dessen musste der Lebensgefährte der Klägerin nicht wissen, dass ihm der Reiseantritt unzumutbar sein würde. Denn bessere Erkenntnisse als sein Hausarzt musste er nicht haben.

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