Psychotherapie – lange Wartezeiten auf einen Termin

Immer mehr Menschen werden heute psychisch krank. Eine Psychotherapie bedeutet für sie Hilfe und oft auch Heilung. Die Wartezeiten auf einen Termin sind aber sehr lang. Das zeigt eine Studie des Lehrstuhls für Medizinimanagement der Uni Duisburg-Essen.

Anzeige / Inserat

Madelene Hoffmann ist eine Mutter in den besten Jahren. Sie hat einen jetzt zehnjährigen Sohn und ein dreijähriges Söhnchen. Sie lebt ländlich in einem hübschen Reihenendhaus. Der Kontakt zu ihren Nachbarn ist gut, enge freundschaftliche Bindungen allerdings eher rar. Ihre Ehe ist leidlich glücklich. Regelmäßig besucht die 37jährige ihre Mutter in ihrer 300 km entfernten Heimatstadt. Auf einer dieser Fahrten im Winter passierte es dann. Urplötzlich stieg in ihr eine unbestimmte Angst auf. Sie bekam hämmernde Kopfschmerzen, Schwindel, die Hände wurden feucht, der Puls raste. An ein Weiterfahren war nicht zu denken. Ihr Mann musste sie an einem immerhin noch 200 km von zu Hause entfernten Parkplatz abholen. Seither treten alle Symptome immer wieder auf.

Seelische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Ein Arzt diagnostizierte hier eine Angststörung. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass diese psychische Störung viele Frauen in ihrem Alter trifft. Und Recht hat er. Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Jährlich ist jeder dritte Erwachsene betroffen. Neben Medikamenten, sollte man sich als Erkrankter schnelle Hilfe bei einem Psychotherapeuten holen. Denn – wie bei körperlichen Krankheiten auch – ist die Behandlung am erfolgreichsten, wenn sie frühzeitig einsetzt. Und da liegt einer Studie zu Folge viel im Argen. Während Experten der Meinung sind, dass eine Wartezeit auf einen Termin beim Therapeuten von drei Wochen angemessen wäre, sieht die Realität ganz anders aus.

Auch schwierig für die Wirtschaft

In Kleinstädten warten die Betroffenen bis zu 104 Tage lang auf ein Date mit dem Psychofachmann. In Großstädten sieht es etwas besser aus: Hier beträgt die Wartezeit nur noch 62 Tage. Noch schwieriger ist es für alte und männliche Therapiewillige. Hier gibt es schlicht zu wenige geeignete Therapieplätze. Diese Situation ist nicht nur für die Betroffenen selbst schlimm. Sie belastet auch unsere Wirtschaft und die Krankenkassen. Denn die Zahl derer, die wegen psychischer Probleme krankgeschrieben werden nimmt zu, während die Krankschreibungen wegen z. B. Atemwegserkrankungen abnehmen.

Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt ergeben sich noch andere Probleme. Zum Einen entstehen durch psychische Krisen von Mitarbeitern hohe Ausfallzeiten, zum Anderen nimmt die Leistungsfähigkeit und die Motivation der Betroffenen meist ab. Sie sind einfach nicht mehr so belastbar, wie man es eigentlich gewohnt war. Um so wichtiger ist es deshalb, auf die Gesunderhaltung der Mitarbeiter zu achten. Außerdem sollte das lange Warten auf den Psychotherapeuten verkürzt werden.

Anzeige / Inserat

Ihre Gedanken...