Praxisgebühr kassiert auch der Notdienst

Krank wird man meist am Wochenende oder vor Feiertagen. In schlimmeren Fällen bleibt einem da nur der Gang zum ärztlichen Notdienst. Noch vor Aufnahme und Untersuchung streckt die Arzthelferin dort erstmal die Hand aus, um die zehn Euro Praxisgebühr zu kassieren. Und die bekommt man auch nicht zurück.

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Es fing schon am frühen Samstag abend an. Beim Schlucken spürte die junge Mutter ein leichtes, noch unauffälliges Ziehen in der Halsgegend. Am nächsten Morgen dann wurde es richtig unangenehm. Schlucken war vor Schmerzen kaum mehr möglich, außerdem zog sich das Reißen in der Zwischenzeit schon bis zum Ohr hoch. Der Rachenraum war kloßig geschwollen. Sprechen, Lachen, Gähnen, Essen – alles wurde zur Qual. Langsam bekam die junge Frau es mit der Angst und ließ sich von ihrem Mann zum ärztlichen Notdienst fahren.

Teurer Spaß

Zu Glück war es noch früh am Sonntag Morgen. Kaum jemand war auf den Straßen, geschweige denn beim Arzt. An der Aufnahme saß eine – mehr oder weniger freundliche – Arzthelferin. Ihr schilderte die Patientin die Beschwerden bzw. wollte sie schildern, als die Mitarbeiterin sie unwirsch unterbrach und ihr zehn Euro Praxisgebühr abverlangte. Wie konnte das denn sein? Die von Schmerzen Geplagte führte an, sie habe doch erst kürzlich bei ihrem Hausarzt die Praxisgebühr bezahlt und den Beleg sogar dabei. Aber aller Widerspruch half nichts. Die zehn Euro musste sie berappen. Für ihre Erkrankung erhielt sie ein Rezept über ein Antibiotikum, das sie bei der Apotheke nochmal fünf Euro kostete. Außerdem nahm sie noch ein Mittel zur Linderung der Hals- und Schluckbeschwerden mit; für schlappe 5,94 Euro.

Nix wird erstattet

Alles in allem also ein teures, medizinisches Wochenendvergnügen. Über 20 Euro kostete der Besuch beim Arzt inklusive Medikamenten. Naja, die zehn Euro bekommt man doch bestimmt zurück, denkt man und irrt sich. Denn die Praxisgebühr wird je Behandlungsklasse und Besuch pro Quartal fällig. Behandlungsklassen sind die niedergelassenen Ärzte (z. B. Hausarzt, Gynäkologe, Neurologe etc.), Zahnärzte sowie Notdienste. Je Behandlungsklasse kann man sich je Quartal an einen anderen Arzt weiterüberweisen lassen und erspart sich so die Zahlung von weiteren zehn Euros. Praktisch ist es also möglich vom Hausarzt eine Überweisung zum Nierenfacharzt zu bekommen. Innerhalb der Behandlungsklassen sind alle Kombinationen möglich. Erneut bezahlen muss man aber immer, wenn man die Behandlungsklasse wechselt; so kann einen der Zahnarzt nicht zum Neurologen überweisen. Und es ergibt sich, dass der ärztliche Notdienst als eigene Behandlungsklasse, immer praxisgebührpflichtig ist und diese zehn Euro auch nicht erstattet werden.

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