Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch soll Patientenverhalten ändern

Die Praxisgebühr steht neuerlich vor einer Reform. Wirtschaftswissenschaftler schlagen nun vor, die umstrittene Patientenzahlung nicht quartalsweise zu berechnen, sondern sie bei jedem Arztbesuch zu erheben, um das Patientenverhalten zu beeinflussen.

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Die Praxisgebühr, die vor einigen Jahren eingeführt wurde, steht alle Jahre wieder in der Kritik. Hierbei wird selten über Sinn oder Unsinn der zusätzlichen Zahlung, die für den Patienten quartalsweise mit jeweils zehn Euro fällig wird diskutiert, sondern vielmehr darüber, wie sie effektiver gestaltet werden kann. Wirtschaftswissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (DGGÖ) haben jetzt vorgeschlagen, die umstrittene Patientenzahlung nicht mehr quartalsweise, sondern bei jedem Arztbesuch zu erheben.

Patienten sollen zur Sparsamkeit erzogen werden

Die Einführung der Praxisgebühr hatte verschiedene Aspekte. Einer davon war natürlich, die gesetzlichen Krankenversicherer finanziell zu entlasten. Ein anderer aber war, das Verhalten der Patienten dauerhaft zu verändern. Im Gegensatz zu privat Versicherten sehen die gesetzlich Versicherten nicht, was so ein Arzttermin eigentlich kostet. Das hatte zur Folge, dass viele Patienten oft – auch unnötigerweise – zum Mediziner gingen. Außerdem entschieden sie häufig selbst, ob ein Besuch beim Facharzt notwendig ist und machten dort direkt teure Termine aus. Mit der Praxisgebühr sollte dieses Verhalten eingedämmt werden. Denn seither muss jeweils beim Arzt, Zahnarzt oder Notdienst die Praxisgebühr von zehn Euro je Quartal entrichtet werden. Wer zum Facharzt geht, braucht eine Überweisung oder zahlt erneut.

Verwaltungsaufwand reduziert, Einnahmen erhöht

Leider war die Maßnahme nicht so erfolgreich wie erhofft. Deshalb haben die Wirtschaftswissenschaftler der DGGÖ jetzt vorgeschlagen, die Praxisgebühr neu zu ordnen. Nach den Ökonomen soll dann eine reduzierte Gebühr von fünf Euro bei jedem Arztbesuch fällig werden. Um einen Ausgleich für diese Zahlung zu schaffen, sollen die Zuzahlungen für stationäre Behandlungen im Krankenhaus wegfallen. Damit könnten, so die Wissenschaftler, die Patienten zu einem Umdenken gelenkt werden. Außerdem würden die Einnahmen für die Kassen um ca. 0,2 Milliarden Euro gesteigert werden. So ganz nebenbei könnte mit der Reform auch der Verwaltungsaufwand, der durch die quartalsweise Erhebung nötig wird, abgebaut werden.

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