PKV gibt Geld – Patientenberatung in der Muttersprache

Sprachliche Barrieren sind nicht nur in Schule und Beruf ein Problem. Auch im gesundheitlichen Bereich können sie Schwierigkeiten verursachen. Deshalb stellt der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) jetzt Geld zur Verfügung, um Patientenberatungen in der Muttersprache von Migranten zu ermöglichen.

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Die junge Frau war im Urlaub in Spanien. Das Wetter war toll, das Essen gut, die Leute witzig. Sie genoss die Reise in vollen Zügen. Sollte es doch erstmal das letzte Mal sein, dass sie alleine urlaubte. Schließlich war sie im achten Monat schwanger. Kurz vor der Abreise passierte es dann. Das Kind kam zu früh. Viel zu früh. Zum Glück hatte ihr Mann eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abgeschlossen.

Keine Chance im Krankenhaus

Die medizinische Versorgung in dem spanischen Krankenhaus ließ nichts zu Wünschen übrig. Trotz der kritischen Situation überlebten Mutter und Kind. Sie sind heute – Jahre später – kerngesund. Und doch: In Erinnerung ist die Hilflosigkeit geblieben, sich nicht verständigen zu können. Jeden Morgen wartete das junge Elternpaar vor einer Art Schleuße, durch das sie dann gehen mussten, um ihr Kind für wenige Minuten sehen zu können. Andere Eltern blieben weinend zurück. Die Angst, auch ihnen könnte es so gehen, war grausam. Zumal sie sich nicht im Detail nach dem Zustand des Neugeborenen erkundigen konnten. Nur kurze Infos, in schlechtem Englisch waren möglich und das für lange vier Wochen, bis der Säugling überführt werden konnte. So wie es diesem Paar ging, geht es täglich vielen der 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die in unserem Land leben.

Hier droht sogar Gefahr

Wer kein oder nur mangelhaft Deutsch spricht, hat es auch im medizinischen Bereich schwer. Vorsorge oder Früherkennung von Krankheiten – davon wissen nur wenige Migranten etwas. Die sprachlichen Barrieren werden vor allem im Krankenhaus zum Problem. Zum Teil ist die medizinische Versorgung nicht reibungslos möglich. Schon die Anamnese wird für Arzt und Patient zum Problem, wenn sie sich nicht verständigen können. Schlimmstenfalls kann es dann sogar gefährlich werden.

Unabhängige Patientenberatung

Um solchen Missständen zu begegnen, gibt es die unabhängige Patientenberatung in Deutschland. An ihr beteiligt sich seit Anfang des Jahres der PKV mit ca. 346.000 Euro. Mit dem Geld sollen Patientenberatungen in der Muttersprache von türkischen und russischen Mitbürgern finanziert werden. In erster Linie sollen nun Internetseiten in der entsprechenden Sprache bereitgestellt werden, aber auch eine telefonische Beratung soll mit zweisprachigem und erfahrenem Personal möglich werden. Persönliche Ansprechpartner wird es aber wohl in naher Zukunft nur in besonders betroffenen Städten wie Stuttgart, Dortmund, Berlin und anderen geben.


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