Pflegezeit darf nur am Stück genommen werden

In Deutschland ist es möglich, pflegebedürftige Verwandte zu Hause selbst zu pflegen. Dafür sorgt das Pflegezeitgesetz, nachdem Arbeitnehmer für bis zu sechs Monate Pflegezeit nehmen können. Allerdings darf diese Zeit nur am Stück, nicht in Etappen genommen werden.

Anzeige / Inserat

Wenn Omi alt wird, braucht sie Pflege. Aber wo und wer soll das übernehmen? Sind es anfangs vielleicht nur einige Stunden am Tag, die jemand da sein muss, um Großmutter zu unterstützen, so benötigt die alte Dame wahrscheinlich im Laufe der Zeit eine Rundumbetreuung. Und dann? Abschieben ins Heim? Nein, nicht Oma. Außerdem, wer soll das denn bezahlen?

So ein Heim ist ganz schön teuer

Richtig, Heime sind teuer. Und die Betreuung leider in einigen Fällen zumindest fragwürdig. Lieber würde man alternde nahe Angehörige im heimischen Umfeld pflegen lassen oder am besten selbst pflegen. Was früher kaum möglich war, ohne den eigenen Arbeitsplatz zu gefährden, ist seit Juli 2008 durchaus möglich. Zumindest für einen bestimmten Zeitraum. Das Pflegezeitgesetz macht das möglich. Von der Kurzzeitpflege von zehn Tagen bis hin zu einer Pflegezeit von sechs Monaten in Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitern, kann man dank dieses Gesetzes für die Anverwandten nun einstehen und wird von der Arbeit freigestellt.

Kurzzeitpflege für die Notfälle

Wer mit dem Gedanken spielt zum Pflegepersonal zu werden, muss die Pflegebedürftigkeit des nahen Angehörigen durch die Vorlage einer Bescheinigung der Pflegekasse oder der MDK (Medizinischer Dienst Krankenkassen) nachweisen. Außerdem muss der Antrag bis zu spätestens zehn Tage vor Beginn der Pflegezeit beim Arbeitgeber angekündigt werden. Im Laufe der Pflegezeit darf diese zwar verlängert, nicht aber auf Raten genommen werden. Das entschieden sowohl das Arbeitsgericht in Stuttgart als auch das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg im Falle eines Arbeitnehmers, der Mitte 2009 seine Mutter für eine Woche pflegen wollte. Er kündigte direkt im Anschluss an, dass er auch im Dezember des Jahres für zwei Tage als Pflegekraft bei Mutti einspringen wolle. Er war der Ansicht, das die Zeit im zustehe, da er von den möglichen sechs Monaten Pflegezeit bisher ja nur eine Woche in Anspruch genommen habe. Dem widersprachen beide Instanzen. Für so kurze Pflegeintervalle sei extra die Kurzzeitpflegezeit von zehn Tagen eingeführt worden (Az.: 12 Ca 1792/09, Az.:20 Sa 87/09).


Anzeige / Inserat

Ihre Gedanken...