Pflegende Angehörige von jetzt auf gleich

Von heute auf morgen wird ein Mitglied der Familie pflegebedürftig und man steht vor der Frage ob man als Angehörige in der Lage ist das Familienmitglied selbst zu pflegen.

Anzeige / Inserat

Wenn ein naher Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird, werden die Angehörigen oft übergangslos zur Pflegekraft.

Nurse woman giving client card to senior man in wheelchair

Durch Krankheit pflegebedürftig

Es fing an mit einem leichten Kribbeln in den Füßen und steigerte sich zu einem Krabbeln im gesamten Körper. Diagnose: Multiple Sklerose. Eine Erkrankung, die weder für Ärzte noch den Patienten vorhersehbar verläuft. Der betroffene Mann ist Mitte 40, verheiratet mit Kind. Er war immer gesund, sportlich und ernährungsbewusst. Und jetzt plötzlich hatte er eine Krankheit, die innerhalb kürzester Zeit zur Pflegebedürftigkeit führen kann.

Plötzlich ein Pflegefall

Der MS-Patient ist leider kein Einzelfall. Ob durch Krankheit, Unfall oder einfach das Alter – immer wieder werden Menschen zum Pflegefall und das von einem Tag auf den anderen. Eine Vorstellung, die für viele Menschen beängstigend ist, bedenkt man, dass es den eigenen nahen Angehörigen betreffen kann. Und dennoch lohnt sich die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema. Darauf weist die Techniker Krankenkasse (TK) anlässlich des Bundesweiten Aktionstages Pflegende Angehörige hin. Denn: Pflegebedürftigkeit kommt oft plötzlich.

Diese Ad-hoc-Pflege ist für Angehörige besonders belastend. Das zeigt die Pflegestudie der TK. Für 37 Prozent der befragten pflegenden Angehörigen kam diese Verantwortung plötzlich – und hatte weitreichende Folgen: So bringen 30 Prozent von ihnen Pflege und Beruf nur schwer unter einen Hut. Unter jenen, die langsam in die Rolle hineinwuchsen, sagt dies dagegen nur jeder Fünfte (22 Prozent). Auch die Gesundheit der Ad-hoc-Pflegenden kann leiden: Rund jeder Dritte (34 Prozent) sah die eigene Gesundheit durch die Verantwortung angegriffen – unter den langsam Hineingewachsenen waren es nur 27 Prozent. Zudem macht sich jeder Dritte der plötzlichen Helfer Sorgen um die eigene Zukunft.

Die eigene Leistungsfähigkeit bedenken
„Im plötzlichen Pflegefall sind meist die engsten Angehörigen gefragt“, sagt Georg van Elst, Fachreferatsleiter Pflege der TK, „vor allem auf die Sandwich-Generation der heute 30- bis 44-Jährigen kommt eine große Herausforderung zu. Sie stehen voll im Berufsleben und kümmern sich um eigene Kinder. Braucht dann von jetzt auf gleich etwa ein Elternteil Hilfe, folgt oft in kurzer Zeit ein Entscheidungs- und Organisationsmarathon. Hauptursache für Pflege ist das Alter.

Mit potenziell Betroffenen in der eigenen Familie frühzeitig über deren Wünsche, aber auch die eigenen Grenzen zu sprechen, erleichtert den Pflegestart.“ Fragen, die beantwortet werden müssen sind zum Beispiel: Wo und wie möchte der Betroffene gepflegt werden? Gibt es eine aktuelle Patientenverfügung oder Vollmachten? In welcher Höhe könnten anfallende Pflegekosten durch den Pflegebedürftigen getragen werden? Aber auch: Wozu ist der Angehörige fähig, was die Laienpflege angeht, was kann er psychisch und physisch tragen?


Anzeige / Inserat

Ihre Gedanken...