Nicht immer hat der Auffahrende Schuld

Der Hintermann hat immer Schuld? Keine Regel ohne Ausnahme. Das gilt auch im Straßenverkehr. Nicht immer hat der Auffahrende im Unfallfall auch den schwarzen Schuldpeter gezogen.

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Das erste, was man in der Fahrschule des Lebens lernt: Wer auffährt, ist schuld. Und oft stimmt das auch. So z. B. im Fall der Fahrschülerin, die bei ihrer Prüfung für Lacher gesorgt hat. Sie fuhr bei Schnee und Glatteis eine Ampel an, an der schon ein Polizeiwagen wartete. Neben ihr saß der vertrauensvolle Fahrlehrer, hinten der schon leicht zweifelnde Püfer. Sie trat auf die Bremse, doch der Fahrschulwagen machte was er wollte und rutschte langsam aber sicher auf den Streifenwagen. Die Schuldfrage war hier – zumindest verkehrstechnisch – klar: Das Mädchen war aufgefahren und somit Unfallverursacherin. Die einzigen die nicht lachten, waren übrigens das Mädchen und der strenge Prüfer.

Nicht immer eindeutig

So eindeutig ist ein Unfallgeschehen nicht immer. Ein solcher Fall wurde erst kürzlich beim Bundesgerichtshof (Az.: VI ZR 15/10) verhandelt und führte zu einem überraschenden Ergebnis. Die Situation entstand an einer Autobahnausfahrt. Hier fuhr ein Astra-Fahrer auf einen VW-Bus auf. Der Busfahrer war sich seiner sicher und verklagte den Auffahrenden auf Schadenersatz. Dieser sah das nicht ganz ein und schilderte vor Gericht den Unfallvorgang im Detail. Der Busfahrer war demnach erst hinter dem Astrafahrer auf der rechten Spur der Autobahnaussfahrt gefahren. Er entschied sich dann aber wohl, den Astra zu überholen, um dann kurz darauf sein Fahrzeug zum Stehen zu bringen. Der Beklagte konnte nicht mehr bremsen und fuhr daher auf den Bus auf.

Schadenteilung salomonisch

Die Richter trafen aufgrund dieser Erklärung ein geradezu salomonisches Urteil. Sie sprachen sich für eine Schadenteilung aus, da die Schuldfrage hier nicht eindeutig zu klären sei. Das Urteil wirft auf Auffahrunfälle nun ein neues Licht. Ein klassischer Auffahrunfall ist in der Regel durch zu schnelles Fahren, zu kurzen Fahrzeugabstand oder fehlende Aufmerksamkeit geprägt. Allerdings muss sich das vermeintliche Unfallopfer auch schon einige Zeit vor dem Unfallgeschehen vor dem Auffahrenden befunden haben.

Mitschuld

Wer kurz vor dem Unfall die Spur gewechselt, muss sich zumindest eine Mitschuld gefallen lassen. Das ist tatsächlich nur gerecht: Denn ansonsten wäre derjenige, der grob verkehrswidrig die Spur wechselt und sich so vor ein anderes Fahrzeug setzt, ja im Unfallfall immer in der besseren Position im Bezug auf die Schuldfrage, als der Auffahrer, der dann in der Beweisschuld steht.

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