Kostenerstattung oder Sachleistungsprinzip – das ist die Frage

Einmal auch Patient erster Klasse sein – davon träumen viele gesetzlich Versicherten. Dank Wahltarifen haben aber nun auch sie die Möglichkeit von Behandlungsvorzügen zu profitieren. Ob der Wahltarif der Kostenerstattung anstelle des Sachleistungsprinzips dazugehört, ist zumindest fraglich.

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Man kennt das doch. Da braucht man dringend einen Termin beim Facharzt, man hat sogar die Überweisung vom Hausarzt und was passiert? Nichts. Also auf jeden Fall erhält man erstmal keinen Termin, und schon gar nicht in absehbarer Zeit. Weil, wie war das nochmal? „Ach, sie sind gesetzlich versichert. Nein, tut mir leid. Termine haben wir erst wieder in sechs bis acht Monaten. Nein, vergeben können wir die noch nicht. Da müssen Sie sich nochmal melden.“

Der Patient geht in Vorkasse

Sie kennen diesen Telefondialog. Tja, also was bleibt, ist, sich abfinden, sich privat krankenversichern oder – wenn das nicht geht – so genannte Zusatzversicherungen oder Wahltarife abzuschließen. Einer von diesen Tarifen in der gesetzlichen Versicherung ist der Tarif zur Kostenerstattung. Statt wie beim Sachleistungsprinzip, wo die Kasse Behandlungskosten direkt mit dem Arzt abrechnet und der Patient nur seine Karte oder den Überweisungsschein beim Arzt abgibt, muss der Patient bei der Kostenerstattung erstmal in finanzielle Vorleistung gehen. Nach einer Behandlung erhält er eine Rechnung, mit einer Auflistung der geleisteten Behandlungskosten, die er dem Arzt bezahlen muss. Die Rechnung muss er dann zur Erstattung an seine Krankenkasse weiterleiten.

Vor dem Wechsel genau überlegen

Der Schritt in den Kostenerstattungstarif will aber wohl überlegt sein. Denn, zwar genießt man als Selbstzahler in so mancher Praxis Vorteile durch das Prinzip (z. B. schnellere Terminvergabe, schöneres Wartezimmer), es birgt aber auch Nachteile, die man nicht vergessen sollte. Wenn es z. B. um die medizinische Behandlung und die Erstattung von Kosten geht, gilt für die gesetzlich Versicherten weiterhin der allgemein gültige Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen. Andere oder weitergehende Maßnahmen müssen vom Patienten selbst bezahlt werden. Auch die Behandlung durch einen Privatarzt wird nur in Ausnahmen übernommen. Außerdem sollte man sich vor dem Tarifwechsel genau überlegen, ob man ihn sich finanziell auch leisten kann. Denn erkrankt man schwerer, steigen die Kosten oft ins Unermessliche, durch die Tarifbindung ist man dann aber meist trotzdem für mindestens ein Jahr an die Kostenerstattung gebunden und muss mit schweren finanziellen Einschnitten rechnen.

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