Keine Überwachungspflicht für Ärzte

Wer krank ist, geht zum Arzt. Dieser untersucht, behandelt und empfiehlt. Dann geht es dem Patienten besser. Und was passiert? Er schlägt die Ratschläge und Empfehlungen des Mediziners in den Wind. Kommt es durch solchen Leichtsinn dann zu Folgeschäden, ist der Arzt dafür nicht mehr verantwortlich. Das wurde jetzt auch von einem Gericht bestätigt.

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Compliance: Das ist, was Ärzte von ihren erwachsenen Patienten erwarten dürfen und müssen. Das Wort Compliance aus dem Englischen für Befolgung bedeutet im medizinischen Bericht, dass der Patient die Verhaltensmaßregeln des Arztes einhält und befolgt. Leider ist gerade das für Patienten meist dann schwierig, wenn sie den Eindruck haben, dass es ihnen besser geht. Dann werden Medikamente einfach abgesetzt, statt sie für die vorgegebene Dauer einzunehmen. Andere stehen auf, obwohl Bettruhe verordnet wurde. Was aber, wenn es durch diese Eigenmächtigkeit dann zu Folgeschäden kommt?

Unterschrift beweist Aufklärung

So im Fall einer Patientin, die wegen Arthritis eine Knieprothese erhalten hatte. Auch nach dem Eingriff war sie noch auf die Gabe von Schmerzmitteln angewiesen, die ihr über ein so genanntes „Femoralis-Katheter“ zugeführt wurden. Dabei handelt es sich um einen dünnen Katheter (Röhrchen), der in der Nähe des Fermoralis-Nervs in der Leiste eingesetzt wird. Darüber wird dann beständig ein Schmerzmittel abgegeben. Der Vorteil ist, dass die Patienten meist dauerhaft schmerzfrei sind und eine Physiotherapie schnell begonnen werden kann. Nachteil ist aber, dass der so Behandelte nicht alleine aufstehen darf, da es sonst zu schweren Stürzen kommen kann. Das wusste die Patientin, denn der behandelnde Arzt hatte sie aufgeklärt und sie zusätzlich sogar eine Erklärung unterschreiben lassen, die genau diesen Sachverhalt zum Inhalt hatte.

Klage ohne Erfolg

Nun stand einige Tage nach der Katheterisierung eine Untersuchung an, zu der sie im Rollstuhl gebracht wurde. Die Untersuchung selbst wurde auf einer Untersuchungsliege durchgeführt, auf die sie vom begleitenden Pflegepersonal gelegt wurde. Als alles vorbei war, drehte sich der Arzt kurz weg. Die Patientin versuchte nun ihrerseits alleine aufzustehen, um zurück in den Rollstuhl zu kommen. Natürlich ging das ordentlich schief. Die Frau stürzte, die Wunde brach auf. Folgeoperationen und Rehamaßnahmen, die sich nun über Jahre erstreckten wurden notwendig. An Arbeiten war seither nicht mehr zu denken. Die Patientin verklagte Arzt, Pfleger und Krankenhaus. Schließlich hätten diese zu wenig auf sie geachtet. Die Richter des Koblenzer Oberlandesgerichts sahen das anders. Weder Krankenhaus noch Personal träfe Schuld, sagten diese. Denn die Patientin hatte mit dem Versuch aufzustehen, ganz eindeutig gegen die medizinische Anweisung gehandelt. Sie hätte sich einfach noch einen Moment gedulden müssen (Az.: 5 U 761/10).

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