Keine Haftung der gesetzlichen Unfallversicherung bei Gefälligkeit

Bei handwerklichen Gefälligkeiten muss die gesetzliche Unfallversicherung nicht grundsätzlich haften. So entschied jetzt das Sozialgericht in Karlsruhe.

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Wer die Axt im Haus hat, erspart sich den Zimmermann. Noch besser ist es aber, man hat einen Handwerker im Freundeskreis. Denn egal ob Friseur, Schreiner oder Sanitärfachmann, Handwerk hat meist vor allem für den Fachmann goldenen Boden. Geld und Nerven spart sich also der, der einfach den Kumpel anrufen kann, wenn es was zu bauen, zu schneiden oder reparieren gibt. Aber Achtung: Kommt es hier zum Arbeitsunfall haftet die gesetzliche Unfallversicherung häufig nicht.

Werkzeug

Die Axt im Haus…

Glück hatte ein Lehrer, der einen ausgebildeten Zimmermann zu seinem Freundeskreis zählte. Dieser half dem Lehrtätigen bei dem Aufbau eines Carports. Ein reiner Freundschaftdienst, denn der Lehrer hatte dem arbeitslosen Handwerker seinerseits geholfen, mit seiner Lese-, Rechtschreibschwäche klarzukommen.

Weniger Glück dagegen hatte der Zimmermann, der sich während des Aufbaus mit einer Kreissäge am rechten Oberschenkel verletzte.

Nun hoffte der Geschädigte auf die Leistungspflicht der gesetzlichen Unfallversicherung. Die lehnte die Zahlung aber ab. Der Fall landete vor dem Sozialgericht in Karlsruhe.

Karlsruher Richter entscheiden für Versicherer

Die Richter folgten aber nicht den Hoffnungen und Wünschen des verletzten Zimmermanns – sie gaben dagegen der Versicherung Recht.

Schließlich habe es sich bei der Hilfe um einen reinen Freundschaftsdienst gehandelt. Der Handwerker hatte seine Unterstützung beim Aufbau des Carports aus freien Stücken angeboten und diese selbst als Gegenleistung für die Lese- und Rechtschreibhilfe bezeichnet.

Für die Richter ist es für eine Freundschaft sogar selbstverständlich, dass man sich gegenseitig hilft. So wie es in der Beziehung zwischen dem Lehrer und dem Handwerker wohl auch üblich gewesen ist (Az.: S 1 U 2650/11).

Grundsätzlichen Charakter hat das Urteil aber nicht. Fälle dieser Art müssen von der gesetzlichen Versicherung jedesmal neu beurteilt werden – schlimmstenfalls auch vor Gericht.

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