Kaskoversicherung muss bei Parkhaus-Diebstahl zahlen

Wer sein Auto in einer videoüberwachten Parkgarage abstellt, verfährt nicht fahrlässig – schon gar nicht grob fahrlässig. Das hat zur Folge, dass die Kaskoversicherung haftet, wenn das Fahrzeug hier gestohlen wird.

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Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Deshalb passt er in der Regel auch gut auf sein Fahrzeug auf. Wo also parkt er den Wagen, wenn er damit unterwegs ist – vor allem, wenn die Fahrt ihn ins Ausland führt? Im Parkhaus. Am besten in einem öffentlichen und videoüberwachten. Und dennoch, manchmal werden auch hier Autos gestohlen. Dann muss die Kaskoversicherung ihrer Leistungspflicht nachkommen. Denn niemand handelt grob fahrlässig, wenn er sein Fahrzeug solchermaßen abstellt.

Schlüssel im Mittelfach

So auch im Fall eines Geschäftsmannes, der auf einer Reise nach Bratislava in der Slovakei, seinen Sportwagen in einem videoüberwachten und öffentlichen Parkhaus für einige Tage abgestellt hatte. Als er seinen Wagen wieder abholen wollte, war er weg. Gestohlen. Den Schaden meldete er seiner Versicherung, die die Leistungspflicht verweigerte. Sie erklärte hierzu: Der Wagenhalter hatte die neugierigen Blicke eines Mannes in der Nähe des geparkten Autos nicht beachtet. Außerdem hatte er den Zweitschlüssel des Fahrzeuges in der uneinsehbaren Mittelkonsole gelassen. Nun sollte man meinen, dass dies allein eigentlich schon ausreichen müsste, um grob fahrlässig zu sein. Der Autohalter sah das anders.

Gericht entscheidet

Deshalb ging er vor Gericht und klagte. Was Wunder, er gewann. Denn die Richter folgten der Ansicht des Klägers. Zum Einen wecke das Auto – ein Lancia Delta Platino 1,9 Multijet Twinturbo mit 190 PS – üblicherweise das Interesse anderer. So dass man dem Fahrzeughalter nicht übelnehmen könne, dass er sich um die Blicke von Passanten nicht kümmerte. Zum Anderen sei dem Kläger nicht vorzuwerfen, dass er den Schlüssel im Wagen belassen hatte, da der Stressfaktor durch die Reise an sich hoch gewesen sei, weshalb es sich bei seinem Handeln nicht um eine grobe Fahrlässigkeit gehandelt habe. Außerdem sei der Schlüssel auch nicht der Grund für den Diebstahl gewesen. Die Versicherung musste also zahlen (Landgericht Ingolstadt, Az.: 43 O 1591/09).

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