Gewinne auf Kaffeefahrten

Ein kleiner, kostenloser Ausflug, noch dazu mit der Aussicht auf einen saftigen Gewinn. Damit locken Kaffeefahrt-Unternehmer Rentner in ihre Busse. Ein Urteil stärkt jetzt die Senioren, denn Gewinnversprechen müssen eingelöst werden.

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Welcher Rentner hat denn heute noch Geld, um einen Ausflug, geschweige denn Urlaub zu machen. Eine Renten-Nullrunde kommt nach der nächsten. Krankenkassen verlangen Zulagen, das Geld reicht grade so zum Leben. Da kommt die Einladung zu einer Ausflugsfahrt grade recht. Es klingt auch zu schön: Frühstücksbuffet, kleine Wanderung, leckeres Mittagessen und Topgewinne. Da kann man einfach nicht widerstehen.


Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Nun weiß wirklich fast jeder, dass Kaffeefahrt-Unternehmer eher Nepper, Schlepper und Bauernfänger sind. Und trotzdem fallen immer wieder Menschen auf die Senioren-Abzocke rein. Sinn und Zweck dieser Reisen ist es, Waren wie die allseits bekannte Rheuma- oder Magnetdecke, Trinkkuren oder Geschirr überteuert an den Mann respektive Frau zu bringen. Mit mehr oder weniger sanftem Druck werden die gutgläubigen Rentner überzeugt, ihr mühsam gespartes Geld an den Verkäufer zu bringen. Der beworbene Gewinn bleibt natürlich aus. Und genau hier hat der Butterfahrer die Rechnung ohne die Gerichte gemacht.


Urteil stärkt Senioren

Das Amtsgericht Charlottenburg hat zugunsten einer Rentnerin entschieden, dass der auf einer Kaffeefahrt versprochene Gewinn von 1.500 Euro ausgezahlt werden muss. Der Fall: Der Veranstalter hatte seinem Werbeschreiben einen vermeintlichen Scheck beigelegt und vermerkt, dass dieser auf der Fahrt nur noch unterschrieben werden müsse. Davon war natürlich auf dem „Ausflug“ nicht mehr die Rede. Die couragierte Seniorin hatte daraufhin geklagt und gewonnen (Az. 226 C238/08). Dieses Urteil stärkt die Verbraucher. Wer ähnliches erlebt, sollte sich nicht scheuen, sich zu wehren. Wichtig ist aber, dass der Veranstalter in Deutschland ansässig ist und seine Adresse vollständig bekannt ist. Außerdem sind eher Geld- als Sachwerte einklagbar. Vor dem Weg zum Gericht sollte man sich allerdings über die Erfolgsaussichten informieren, damit man kein Geld in den Sand setzt.

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