Ärzte Verlass auf Eigendiagnosen – Schadenersatz möglich

Verlassen sich Ärzte auf Eigendiagnosen ihrer Patienten, und verzichten deshalb auf eingehende Untersuchungen, müssen sie Schadenersatz leisten, wenn die Patienten dadurch geschädigt werden.

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Heute sind die meisten Patienten aufgeklärt. Bevor sie zum Arzt gehen, informieren sich viele im Internet auf entsprechenden Seiten über die Ursachen ihrer Beschwerden. Stehen sie dann vor dem Mediziner wirken sie oft schon fast wie Fachkollegen. Dabei bedenken sie nicht, dass sie den Arzt dadurch möglicherweise verunsichern. Der Mediziner ist dann vorbelastet, verlässt sich möglicherweise sogar auf die Ausführungen des Patienten und führt schlimmstenfalls notwendige Untersuchungen nicht durch. Entstehen dem Patienten dadurch Folgeschäden, ist der Arzt haftbar. Der Patient dagegen muss mit den körperlichen Konsequenzen leben.

Selbstbewusst mit tödlichen Folgen

Im Falle eines Rettungssanitäters führte ein solches Vorgehen sogar zum Tod. Der 36jährige wurde mit dem Rettungswagen zum Orthopäden gebracht, da er starke Schmerzen auf der vollständigen linken Körperseite hatte. Er erklärte dem Mediziner, dass die Beschwerden vermutlich durch einen eingeklemmten Nerv verursacht würden. Dafür spräche auch, dass diese Diagnose schon von einem Internisten gestellt worden sei. Der Orthopäde entdeckte selbst eine Wirbelblockade und Muskelverspannungen, was seiner Ansicht nach die Eigendiagnose des Patienten bestätigte. Sicher fühlte er sich auch durch die Diagnose des internistischen Kollegen.

Mediziner müssen selbst untersuchen

Ohne weitere Untersuchungen zu veranlassen, wurde der Patient nach Hause entlassen. Der Rettungssanitäter erlag kurz darauf einem schweren Herzinfarkt. Es kam was kommen musste. Die Familie des Verstorbenen verklagte den Orthopäden auf Schadenersatz und bekamen Recht. Für die Richter vor dem Koblenzer Oberlandesgericht, bei dem der Arzt in Berufung ging, galten die Erklärungen des Orthopäden nicht. Er war sich keiner Schuld bewusst. Schließlich sei der Patient fachkundig und selbstbewusst aufgetreten. Und außerdem sei er ja auch von einer weiteren Diagnose durch einen Internisten bestätigt worden. Dass diese bereits ein Jahr vor dem Vorfall gestellt worden sei, habe er nicht gewusst. Er habe sich auf die Angaben des Patienten verlassen. Die Richter begründeten ihr Urteil dagegen damit, dass Ärzte grundsätzlich ihre eigenen Diagnosen zu stellen haben und alles zur Erforschung und Behandlung der vorgetragenen Beschwerden zu tun hätten. Der Arzt musste also eine Entschädigung an die Hinterbliebenen des Rettungssanitäters leisten (Az.: Az.: 5 U 875/11),

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