50 Prozent Umsatzsteigerung bei IGE-Leistungen

Die so genannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGEL) sind für unsere Ärzte ein probates Mittel, um die eigenen Kassen zu füllen. Um 50 Prozent ist der Umsatz in den letzten zwei Jahren gestiegen. Das sind 1,5 Milliaren Euro, die wir Patienten beim Arzt liegen lassen.

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Das kennen Sie sicher: Beim Zahnarzt wird Ihnen dringend zur professionellen Zahnreinigung durch die entsprechende Mitarbeiterin geraten. Kostenpunkt: So um die 80 Euro? Zahlt die Kasse? Keine Chance. Oder Sie kommen zu ihrem Augenarzt: Der empfiehlt wahrscheinlich eine Augeninnendruckmessung, die der Früherkennung des grünen Stars dient. Das kann sinnvoll sein, aber halt auch nicht. So ist das auch mit der Kostenübernahme durch die Krankenkasse. In bestimmten Fällen übernimmt sie die Kosten, in anderen wieder nicht. Die Rede ist generell von den so genannten individuellen Gesundheitsleistungen beim Arzt.


Ultraschall oder Tasten?

Mit diesen speziellen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden füllen unsere Mediziner jedweder Coleur ihre Kassen. Denn all diese Igel sind vom Patienten in bar und selbst zu bezahlen. Wer jetzt die Augenbrauen hebt und denkt, dass diese zusätzlichen Leistungen schon deshalb per Se abzulehnen sind, weil der Arzt daran verdient, sollte seine Ansicht überdenken. Nicht alles, was von den Kassen nicht bezahlt wird, ist deshalb auch gleich unnötig. Die Krankenversicherer übernehmen die Untersuchungen oft nur deshalb nicht, weil ihr Nutzen den Versicherern nach noch nicht einwandfrei wissenschaftlich erwiesen ist. So z. B. im Falle von Sonografien (Ultraschall) zur Früherkennung von Brustkrebs beim Gynäkologen.


Geld vor Gesundheit

Nun ist in diesem Fall der höhere Nutzen des Ultraschalls im Gegensatz zur Tastuntersuchung, die die Kasse bezahlt zwar nicht belegt, die Patientin aber fühlt sich vielleicht einfach besser aufgehoben. Für dieses bessere Gefühl, muss dann die Frau eben ein bisschen mehr bezahlen. Und das tun Patienten wohl immer öfter. Denn nach einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) ist der Umsatz mit den individuellen Gesundheitsleistungen in den letzten zwei Jahren um 50 Prozent, also auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen.


Fachärzte empfehlen IGEL

Vor allem Fachärzte wie Gynäkologen, Orthopäden, Augenärzte und Urologen empfehlen ihren Patienten die IGEL. Und das auch immer häufiger. So ergab die Studie mit 2.600 Teilnehmern, dass im Jahre 2001 lediglich 8,9 Prozent der Patienten von Ärzten auf die zusätzlichen Leistungen hingewiesen wurden. 2010 waren es schon 28,3 Prozent, denen die privat zu zahlenden Methoden angepriesen wurden. Dabei wurden besser Verdienende (4000 Euro monatlich und mehr) häufiger mit den Leistungen konfrontiert als Geringverdiener mit weniger als 1.000 Euro netto Monatseinkommen. Unabhängig davon, wie krank oder gesund der jeweilige Patient war. Wer sich über Sinn und Unsinn einer Leistung informieren will, sollte sich eine zweite Meinung einholen oder sich bei den bekannten Verbraucherzentralen (www.verbraucherzentrale.de) und bei seiner jeweiligen Kasse informieren.

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